PROZESS No 9

 

Werke von Dörte Kraft, Stephan Groß und Heike Arndt

Eröffnung: 12 – 16 Uhr am 12. Februar 2011

Ausstellungsdauer: 16. Februar bis 4. März 2011

 

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Romen Banerjee zur Eröffnung von PROZESS No 9 am 12. Februar 2011

 

9. Eröffnungsrede

Liebe Freunde,

jetzt sind wir hier schon in der neunten Ausstellung der Prozessgalerie. Vielen Dank, dass ihr gekommen seid.

Einer der Gründe, weshalb es diese Galerie gibt, ist der Umstand, dass so ziemlich alle Künstler die ich schätze, die ich in den vielen Jahren, in denen ich jetzt selber als Künstler tätig bin, dass so gut wie alle diese Künstler, die ich gut finde, am Rande des Kunstmarktes ein Schattendasein führen, und gleichzeitig so gut wie ausschließlich Künstler im Markt erfolgreich sind, die mich langweilen.

Ein Aspekt, den ich hier schon mehrfach beleuchtet habe ist der Umstand, dass in der Klassischen Moderne der Qualitätsbegriff gleichgesetzt wurde mit der Suche nach Wahrheit. Der Mensch erlebt diese Suche nach Wahrheit als eine innere Hierarchie an innerer Tiefe, als Streben nach Wahrhaftigkeit, das einem Streben nach Höherem gleichkommt. Nun ist die Moderne wenn man so möchte dem Fehler erlegen, diesen inneren, also subjektiven Vorgang objektivieren zu wollen, indem Werte, Kriterien, Moral, Ethik etc herausgebildet wurden, mit dem Anspruch der Allgemeingültigkeit. Dies führte im Extremfall zu totalitären oder autoritären Strukturen, zumindest jedoch zu einer geistigen Enge, von der sich die Theoretiker der sogenannten Postmoderne befreiten, indem sie die Existenz jeglicher Wahrhaftigkeit leugneten. Der Qualitätsbegriff definierte sich nunmehr ausschließlich über den Konsens im Kommunikationsprozess – kurzum: Erfolg gleich Qualität. Dieser Qualitätsbegriff musste eine zügellose Beliebigkeit auf dem Kunstmarkt mit sich bringen, auf den ich hier heute aber nicht weiter eingehen möchte.

Jetzt möchte ich einen anderen wichtigen Zusammenhang zwischen Wahrhaftigkeit und finanziellen Erfolg beleuchten. Die Künstler, die ich schätze, sind durchweg Künstler, denen es nicht ausreicht, sich auszudrücken. Es sind Künstler, die nach diesem inneren Punkt der Wahrhaftigkeit suchen, die sie führt – dem Augenblick, wo das Werk die Führung übernimmt – dem Augenblick, wo die Haltung des Dienens gegenüber dem Werk, den Künstler mit dem tiefen Glück der Berührung belohnt.

Und in der Tat. Dieses Suchen nach jenem inneren Punkt der Wahrhaftigkeit ist ein Suchen nach Höherem. Ein Suchen nach Höherem mit weitreichenden Konsequenzen. Denn wer er nach Höherem strebt, dem fällt es schwer, anzuerkennen was ist. So verachtet jener der nach Höherem strebt oft den schnöden Mammon. Wem aber Geld lediglich das Mittel zum höheren Zweck ist, der kann Geld und damit das Materielle nicht wirklich würdigen. Das Fatale daran ist, dass diese Erhöhung des Geistigen über das Materielle eine Identifikation mit einem struckturellen Mangel bewirkt. Diese Identifikation mit dem Mangel zeigt sich in einem mehr oder weniger ausgeprägten Wunsch nach Anerkennung und einem Wunsch nach finanziellem Erfolg. Oder anders ausgedrückt, der Wunsch nach finanziellem Erfolg kann nur der tieferliegenden Überzeugung finanziellen Mangels entspringen.

Und wie gesagt, diese tieferliegenden Überzeugung finanziellen Mangels ist Resultat der Unfähigkeit das Materielle zu würdigen – der Unfähigkeit das Materielle gleichermaßen zu würdigen, wie das Geistige. Das Dilemma ist also Folgendes: Einerseits empfinden wir eine innere Hierarchie, da wir bei manchen Dinge eine innere Berührung wahrnehmen – man kann dies Wahrhaftigkeit nennen im Gegensatz zu Oberflächlichkeit und Beliebigkeit. Und andererseit übertragen wir diese Hierarchie auf die Welt, da uns Künstlern das Geistige befriedigender und damit höher erscheint, als das rein Materielle – dies gilt zumindest, solange die materiellen Grundbedürfnisse befriedigt sind.

Eines scheint mir in diesem Zusammehang von zentraler Bedeutung zu sein. Wir müssen klar sehen, dass das Materielle und das Geistige zwei vollkommen unterschiedliche Dinge sind. Es hat fatale Folgen, wenn wir der Gewohnheit folgen, geistige Arbeit mit Geld aufrechnen zu wollen – denn damit etablieren wir schnell ein Lebensgefühl des Mangels. Das Materielle, sowie das Geistige sind zwei vollkommen unterschiedliche Dinge, die in keinem Zusammenhang miteinander stehen. Wollen wir also den Mangel hinter uns lassen so müssen wir klar sehen, Kunst ist nicht Geld wert. Es ist einfach etwas Anderes. Um das Streben nach Höherem aufzugeben müssen wir lernen, das Materielle, also beispielsweise Geld genauso zu würdigen, wie wir es bei der Kunst die uns berührt, in der Lage sind. Und um es noch deutlicher auszudrücken: Wenn wir diese innere Berührung, die ich manchmal auch Wahrhaftigkeit nenne, erfahren wollen, dann geschieht dies nur, wenn wir die innere Bereitschaft besitzen dem Werk zu dienen. Und entwickeln wir nun diese gleiche innere Bereitschaft des Dienens dem Materiellen, also auch dem Geld gegenüber, so dehnt sich unsere Fähigkeit des Würdigens und Berührtwerdens auch auf das Materielle aus. Diese Ausdehnung der Würdigung vom Geistigen auf das Materielle, lässt dann in Folge sogar die innere Hierarchie verschwinden, ohne dass Beliebigkeit oder Oberflächlichkeit an deren Stelle treten würden.

Die innere Berührung, die Wahrhaftigkeit dehnt sich sozusagen als Dauerzustand aus und wir folgen einer inneren Notwendigkeit im wahrsten Sinne des Wortes.

Wir sind in der Lage, das zu tun, was die Not wendet, also das zu tun, was gerade getan werden muss, ohne das Gefühl vom Druck, ohne das Gefühl, sich innerlich verbiegen zu müssen. Das was ansteht zu tun, wird identisch mit dem, was man will. Durch die Existenz des Geldes haben wir uns angewöhnt, Dinge auf subtile Weise miteinander zu vergleichen, die nicht miteinander vergleichbar sind. Die aus dem Vergleichen resultierende Identifikation mit dem Mangel löst sich ab, indem wir uns wieder in die Lage versetzen, die Dinge einfach als das zu sehen, was sie sind, ohne zu vergleichen. Und die Dinge als das zu sehen was sie sind, und nicht mehr und nicht weniger, also spontane und unverstellte, direkte Wahrnehmung ist dann eine ganz natürliche Würdigung dessen was ist – vollständig entfaltet durch die Bereitschaft, dem Notwendigen zu dienen.

In diesem Feld bewegen wir uns hier mit dieser Galerie in jeder Ausstellung mehr oder weniger bewusst. Wären wir alle in der Lage, die Dinge spontan zu würdigen, würden wir den Notwendigkeiten spontan folgen und warscheinlich würde dies in eine geldlose Gesellschaft führen. Noch sind wir nicht soweit und auch hier gibt es Preisschilder an den Werken.

Dennoch möchte ich Euch ans Herz legen, schaut Euch die Arbeiten von
Dörte Kraft, Stephan Groß und Heike Arndt
als das an, was sie sind.

Öffnet Euch für die Möglichkeit der spontanen Würdigung und lasst Euch in der Tiefe berühren – denn in der Tiefe der Berührung sind diese Arbeiten entstanden und dieses Potential stellen die Künstler uns heute zur Verfügung.

Dafür möchte ich Euch
Heike, Dörte, Stephan
meinen Dank aussprechen.

Und auch meinem Freund Michael Ley,
der hier all die vielen Male zur Eröffnung die Dokumentation mit Kamera und Fotoapparat sicherstellt möchte ich sehr großen Dank aussprechen, besonders weil Micha hat heute Geburtstag hat und mit uns gemeinsam in dieser Ausstellung diesen feiert.

Also alles Gute, lieber Micha und uns allen schöne Stunden.

 

 

Panorama-Ansichten

Linke Maustaste gedrückt halten und die Panoramadarstellung bewegen

 

 

Aus dem Gefühl der Trauer und Fassungslosigkeit
über den Schatten,
der über dieser Welt liegt,
wird ein innerer Punkt,
um den herum sich etwas Anderes organisiert…

Dörte Kraft, Berlin 2010

 

 

ICI

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Kameras und Setzkästen träumen von einem Ort,
an dem alle Perspektiven zusammenlaufen.

Stephan Groß, Berlin 2010

 

My art works deals with the meaning and
consequence of the way we relate to one another

Heike Arndt, Lolland 2010

 

Das Wichtige ist von solch einer Intimität,
dass es sich der Mitteilbarkeit entzieht.
Folgen wir der Nacktheit in aller Ehrlichkeit
mit dem Mut zur Vertiefung,
so führt sie uns in eine Verbindlichkeit,
die uns verschlingt.
Wir erkennen: Dies ist mein Leben.
Und dieses Leben möchte ich leben.
Das Leben nehmen,
meint Verbindlichkeiten eingehen.
In diesem Sinne Verantwortung fliehen,
meint ungelebtes Leben.
In diesem Sinne Intimität fliehen,
meint ungelebte Kunst.

Romen Banerjee, Berlin 2011

 

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