PROZESS No 8

 

Werke von Giovanni Orlando, Frank Tangermann, Martina Pape und Michael Paul

Eröffnung: 12 – 16 Uhr am 20. November 2010

Ausstellungsdauer: 24. November bis 17. Dezember 2010

 

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Romen Banerjee zur Eröffnung von PROZESS No 8 am 20. November 2010

 

8. Eröffnungsrede

Also, es ist mal wieder so weit, meine lieben Freunde. Dies ist jetzt dann die 8. Ausstellung der Prozessgalerie.

Gibt es einen Grund dafür, weshalb wir tun, was wir tun? Wieso malt der Eine, und der Andere backt Brötchen? Was ist das: Motivation?

Bei den hier ausgestellten Künstlern habe ich den Eindruck, dass allen eine spielerische Freude beim Machen gemein ist. Es wird nicht der Versuch unternommen, eine bestimmte Botschaft zu vermitteln oder einen bestimmtes Gefühl beim Betrachter auszulösen. Vielmehr scheint den Künstlern der Zuschauer egal zu sein. Es ist regelrecht ein authistischer Rückzug des Künstlers ins Atelier, in die Natur, in sich selbst. Dieser Rückzug, ist ein Verzicht auf Teilhabe an der Welt und scheint mir, Ursache zu sein für jene spielerische Freude, jene Glücksmomente, wie sie typisch sind für schöpferische Prozesse. Oder wenn wir genau hinschauen, ist es nicht der Verzicht auf Teihabe an der Welt, sondern der Verzicht auf den Wunsch nach Teilhabe an der Welt, der das Hier und Jetzt ermöglicht, indem sich Glückseligkeit erst offenbaren kann.

Und natürlich ist der Künstler nicht aus der Welt, sobald er wunschlos glücklich ist, sondern: Der Verzicht auf den Wunsch nach Teilhabe an der Welt, bei gleichzeitiger Hingabe an das In-der-Welt-sein – das ist die Herausforderung an einen Künstler. Auf der einen Seite also der Rückzug ins Atelier und auf der anderen Seite das In-der-Welt-sein, zum Beispiel in Form von Ausstellungen vorbereiten, Geld verdienen müssen oder Beziehung, Familie usw. … Der Künstler switcht also ständig hin und her zwischen Rückzug und nach Außen gehen.

Und je größer die Anforderungen im Außen werden, beispielsweise in Form von Erfolg, Karriere, Produktionsdruck, Netzwerken oder aber auch Familie, Zeit für Partner und Kinder usw, je größer also diese äußeren Anforderungen werden, desto schwerer realisierbar erscheint der Rückzug in die Ruhe des Ateliers. Als gäbe es einen Konflikt zwischen Rückzug und äußeren Anforderungen, einen Konflikt zwischen innerem Glück und Ruhe auf der einen Seite und der äußeren Welt andererseits. Man bekommt dieses Hin-und-Her-Switchen nicht mehr hin.

Deshalb entscheiden sich einige Menschen dafür, den äußeren Anforderungen die Führung zu überlassen und vernachlässigen dabei den Rückzug in die innere Ruhe. Sie leben im ständigen Modus des Getriebenseins. Andere entscheiden sich für den Rückzug und sperren die Welt so gut es geht aus. Sie machen ihre Welt klein und laufen Gefahr im Modus der Trägheit zu leben.

Mir scheint es eine dritte Möglichkeit zu geben, die uns allerdings eher ungewohnt erscheint. Es ist die Gleichzeitigkeit von dem besagten Rückzug nach innen einerseits, sowie besagtem In-der-Welt-sein andererseits. Diese Gleichzeitigkeit von Ruhe und Glückseligkeit zum Einen, sowie Handeln in der Welt zum Anderen, ist gleichbedeutend mit der Identität von Innen und Außen, also der Auflösung der Ichhaftigkeit. Handeln findet dann dauerhaft ohne Ich statt, also ohne Motivation. Das ist ein Zustand, den der Künstler bereits ansatzweise in seinen kreativen Momenten kennengelernt hat, aber meist außerhalb des Ateliers wieder verliert – ein Zustand der Selbstvergessenheit.

Um aber den Konflikt zwischen dem Streben nach innerer Ruhe und äußeren Anforderungen zu lösen, ist eine kurzzeitige Selbstvergessenheit nicht ausreichend. Um IN der Welt glücklich zu sein, bedarf es der dauerhaften Auslöschung des Ich – also den mystischen Tod oder das Aufwachen, die Erleuchtung.

Und nur dann kann man als Künstler theoretisch in der Stille des Schöpferischen ruhen und gleichzeitig entsprechend der Notwendigkeiten in der Welt handeln. Ich sage theoretisch, denn sobald das Ich ausgelöscht ist, gibt es keinen Grund, keine Motivation, keine innere Notwendigkeit mehr, Kunst zu machen.

Das Glücksmoment, das man als Künstler stets versucht hat mit Hilfe der Kunst zu erfahren, zeigt sich nun zunehmend im Alltag. Das ist zwar sehr schön, aber welche Rolle das Kunstmachen ab diesen Zeitpunkt dann spielen wird, ist völlig offen. So schafft das Künstlersein – wenn es erfolgreich in diesem Sinn ist – sich selber ab. Dies erfordert wie ich finde bei einem Künstler sehr viel Mut und Entschlossenheit.

Für diese Ausstellung habe ich diesmal vier Künstler zusammengebracht, die diesen Weg sehr unterschiedlich aber gleichzeitig auch sehr deutlich gehen. Martina Pape aus München, Frank Tangermann aus Leipzig, Giovanni Orlando aus Berlin/Italien und mein langjähriger Freund Michael Paul aus Berlin. Es ist wirklich sehr schön, Eure Arbeiten vor diesem Hintergrund zu sehen.

Denn wie Giovanni es auf unserer Einladung so treffend formuliert hat – und ich denke in all euren Arbeiten ist das Folgende als Präsenz sichtbar – er schreibt:
Jede Bewegung strebt früher oder später nach der Ruhe des Rückkehrens.

Ja, schaut Euch die Arbeiten an und dieser Sog, dieses Streben nach der Ruhe des Rückkehrens, der in jedem von uns schlummert, ist da.

Ich danke Euch Künstlern dafür und wünsche uns jetzt schöne Stunden.

Danke

 

Panorama-Ansichten

Linke Maustaste gedrückt halten und die Panoramadarstellung bewegen

 

 

Giovanni Orlando

Was kann ich vor diesen Figuren sagen??

Es sind Lichtklänge, die aus der Dunkelheit der Quelle auftauchen
und mich erinnern, dass jede Bewegung früher
oder später
nach der Ruhe des Rückkehrens strebt.

Giovanni Orlando, Berlin 2010

 

Frank Tangermann

Meine letzten Arbeiten sind ganz einfach in
Leichtigkeit und Freude entstanden. What a hype!

Frank Tangermann, Leipzig 2010

 

Martina Pape

Ich bin eigentlich immer glücklich wenn ich male,
und auch wenn ich mal nicht glücklich bin.
Die Malerei erwächst ganz dem Augenblick und ich
gehe allen inneren Impulsen in meiner Malerei nach.
Anders geht es nicht.

Martina Pape, München 2010

 

Michael Paul

Ich beobachte den „Zeitgeist“.
Die Herauslösung und Überarbeitung alltäglicher
Informationen ermöglicht mir eine Achtsamkeit,
die erheiternd wirkt und mich still werden lässt.

Michael Paul, Berlin 2010

 

 

Der Tod ist ein unausweichlicher Teil des Lebens, hieß es, als ich jung war.

Heute ist mir:
Meine Wahrnehmung ist ureigenste Schöpfung.
Mehr nicht.

So ist der Tod mit der ihm anhaftenden Unentrinnbarkeit lediglich ein Konstrukt,
wie auch das Leben selbst.

Orientierungslosigkeit löscht mir den letzten Gedanken.

Bliebe es so, ich könnte aufhören, mit der Kunst.

Romen Banerjee, Berlin 2010

 

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