PROZESS No 6

PROZESS No 6

Werke von FD Schlemme, Frank Paul und Marta Fischer

Eröffnung: 12 – 16 Uhr am 5. Juni 2010

Ausstellungsdauer: 9. Juni bis 2. Juli 2010

 

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Romen Banerjee zur Eröffnung von PROZESS No 6 am 5. Juni 2010

 

6. Eröffnungsrede

Also, willkommen liebe Freunde zur 6. Ausstellung der Prozessgalerie.

Als ich Anfang der 80er Jahre Kunst studierte, wurde uns von den Professoren im allgemeinen vermittelt, dass sich Qualität, also gute Kunst über kurz oder lang durchsetzen werde. Es erfordere also lediglich eine intensive künstlerische Auseinandersetzung, um im Laufe der Zeit erfolgreich zu sein und damit einhergehend vom künstlerischen Schaffen leben zu können.

Damals ging man in den Hochschulkreisen noch allgemein davon aus, dass künstlerische Qualität durch eine existenzielle Auseinandersetzung hervorgebracht werden kann. Und des weiteren wie gesagt, dass es im jener existenziellen künstlerischen Qualität bedarf, um sich im Markt durchzusetzen.

Ja, es gab sogar die Vorstellung, der Kunstmarkt würde ohne diese existenzielle Auseinandersetzung in der Kunst nicht auskommen. Aber genau genommen waren dies damals bereits, wenn man so will, überkommene Auffassungen, denn die Zeit des internationalen Triumpfzuges der NEUEN WILDEN, also genau jene 80er Jahre, brachte uns mit New Yorker Galerien wie Mary Boon eine vollkommen neue, eine rein spekulative Wahrnehmung von Kunst.

Der Punkt ist nicht, dass Kunst als Ware gesehen und als solche auch gehandelt wurde. Das war im Prinzip schon seit der Renaissance so. Nein, die neue Qualität lag darin, dass Kunst ausschließlich als Ware gesehen und auch ausschließlich als eine solche behandelt wurde. Damit wurde Kunst nur noch wie eine Aktie gesehen und die erzielten Preise waren astronomisch hoch und bis dato vollkommen unüblich gewesen. Kunst als reine Ware war nunmehr von dem unpraktischen Vehikel der Authentizität befreit. Die Ware Kunst wurde flexibler in Bezug auf Menge, Größe und örtlicher Verfügbarkeit.

Erfolgreiche Künstler, die was auf sich halten, malen nicht mehr selber – sie lassen malen. An den Hochschulen wurde ein neuer Typ Künstler zu Professoren berufen. Diese Künstler lehrten nicht mehr das Streben nach Wahrhaftigkeit, dass bislang mit einem Streben nach Höherem verbunden war. Nein, diese Künstlergeneration hielt die Fahne hoch für die kleinen Dinge des Alltags, denen gleichermaßen das „Göttliche“ innewohnt.

Man war damals der Ansicht – und im Grunde ist dies bis heute die vorherrschende Meinung – dass Qualität sich allein durch den Konsenz im Kommunikationsprozess definiere. Damit hatte sich die Qualität der Kunst vollständig vom Künstler abgelöst.

Folgerichtig wird heute an den Hochschulen mehr Marketing als künstlerische Auseinandersetzung unterrichtet. Professionalisierungsseminare werden für Künstler und Studenten angeboten, deren Hauptanliegen es ist, dem Hörer einzubläuen, ein sogenanntes „Alleinstellungsmerkmal“ zu entwickeln und durch geschicktes Netzwerken zu verankern.

So aberwitzig das klingt, dies bedeutet: Wenn ein Künstler heute ein gutes Bild malen will, dann muss er so massiv wie möglich den Kommunikationsprozess zu seinen Gunsten manipulieren, denn ausschließlich dort wird Qualität definiert. Mit anderen Worten: die eigentlichen Künstler sind die Kunstvermittler, Galeristen, Schreiber, etc. . Die ursprünglichen Künstler sind zu Ideenlieferanten verkommen.

Dieses vielleicht etwas vereinfachte Bild, das ich hier gezeichnet habe, soll eines deutlich machen: In der Regel muss sich ein Künstler entscheiden: will ich etwas vom großen Kuchen abhaben, oder will ich mich auf meine Arbeit konzentrieren. Will ich die Marktmechanismen bedienen, oder will ich Erkenntnis. Ich muss mich entscheiden, ob, wann, wie lange und in welchem Maße ich den Clown spielen will und kann. Besonders deutlich wird dies auf den wichtigeren Kunstmessen.

Im Unterschied zu den 70er und 80er Jahren, wo Demokratie und Vielfalt noch positiv besetzt waren und das Selbstverständnis der Messeorganisatoren repräsentative Querschnitte der Galerienlanschaften hervorbrachte, sind Kunstmessen heute vollkommen unverhohlen – also nur unter dem Vorwand der Qualität – Instrumente einer Seilschaft. Einer Seilschaft, die Konkurrenz auszugrenzen sucht, indem diese einfach nicht auf der Messe zugelassen wird. Und sich selber sucht sich diese Seilschaft dann als sogenannte Elite, den gut Betuchten anzuempfehlen.

Mich erinnert die Schamlosigkeit mit der diese Anbiederei an das große Geld hier betrieben wird an die Mentalität, die uns bspw. beim sog. Bankenskandal bewusst wurde. Über all dieses Getöse um die Schlacht am großen Buffet geht jedoch ein entscheidender Aspekt oft unter.

Es gibt nämlich auch nach wie vor Künstler der anderen Art. Künstler, denen es nicht so wichtig ist mitzumischen. Künstler, bei denen ihre Arbeit und ihre persönliche Entwicklung im Vordergrund stehen. Oft sind dies Menschen, die entweder von ihrem Naturell eher im Verborgenen wirken, oder einen Rückzug vom Rampenlicht in Kauf genommen haben, da Kunst ihnen mehr ist als eine Ware: nämlich ein Drang, ein Streben nach Erkenntnis.

Hier entsteht eine Qualität, die sich nicht über Kommunikation definiert. Diese Qualität ist als magische Intensität erfahrbar.

Marta Fischer aus München, Frank Paul und Daniel Schlemme, beide aus Berlin haben aus eben diesen genannten Gründen solch magische Intensität in ihren Arbeiten, gerade weil sie sich immer wieder diesem Getrieben-sein, den der Markt dem Künstler ab einem bestimmten Punkt abverlangt, entziehen.

Ich für meinen Teil merke immer wieder, dass Kunst mich nicht nur beeindrucken muss. Kunst muss mich berühren und bewegen. Und dies scheint hauptsächlich dann zu geschehen, wenn der Künstler bar jeder spekulativer Erwägung schafft.

Und dass Euch dies wieder gelungen ist, meine Lieben, dafür bin ich Euch dankbar.

Vielen Dank.

 

Panorama-Ansichten

Linke Maustaste gedrückt halten und die Panoramadarstellung bewegen

 

 

 

Die in einer Gesellschaft dominante Kunst ist immer die Kunst der herrschenden Klasse.

Um diesem Umstand gerecht zu werden, bedient sich der Kunstmarkt des Instrumentes der künstlichen Verknappung. So ist bspw. vordringlicher Zweck der großen Kunstmessen das Postulieren einer Kunstelite mittels Ausschluss der Konkurrenz.

Dieses durch Ausgrenzung betriebene Streben nach Monopol unter dem Mantel der Qualität läuft der der Kunst innewohnenden Vielfalt zuwider.

Der Künstler muss sich in der Regel entscheiden zwischen Spielformen der Gigantomanie und magischer Intensität, Anerkennung und Kunst.

Letztere findet heute zunehmend im Verborgenen statt.

Romen Banerjee, Berlin 2010

 

 

FrankPaul_01

Es ist nicht so wichtig, was den Figuren meiner Arbeiten passiert.
Passiert es dann doch, daß etwas passiert, liegt es wohl am Betrachter,
daß das was passiert da ist,
nur daß es dann, wenn es passiert,
ihnen egal ist.
In Anlehnung an einen Text von Gertrude Stein in „Ida“

Frank Paul, Berlin 2010

 

MartaFischer_01

Ich arbeite oft in Serien mit einem x-beliebigen Gegenstand als Motiv.
Die gegenständlichen Serien sind der Maßstab innerhalb dessen Malerei geschehen kann.

Marta Fischer, München 2010

 

FDSchlemme_01

Pläne und Absichten blockieren einen guten Dialogfluss. Ausschließlich eigene Entscheidungen nähren den malerischen Prozess aus Linien und Farben auf der Leinwand. Jede Zufälligkeit der Setzung kann zum Abschluss führen oder ein neuer Weg sein und die Komposition, Struktur und damit das abstrakte Objekt noch
einmal völlig umkehren. Unbekannte, zwingende Bildlösungen, die überraschen, sind das eigentliche Ziel meiner
Malerei.

FD Schlemme, Berlin 2010

 

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