PROZESS No 5

PROZESS No 5

Werke von Herbert Mondry und Irene Fastner

Eröffnung: 12 – 16 Uhr am 17. April

Ausstellungsdauer: 21. April bis 14. Mai 2010

 

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Romen Banerjee zur Eröffnung von PROZESS No 5 am 17. April 2010

 

Liebe Freunde,

dies ist nun schon die 5. Ausstellung der Prozessgalerie und ich muss Euch gestehen, ich bin wirklich begeistert. Es ist wirklich alles andere als selbstverständlich auf solch einem gleichbleibend hohen Niveau eine Ausstellung nach der anderen zusammenstellen zu können.

Das intuitive Zustandekommen dieser Ausstellungen hatte ich ja in der vorigen Eröffnungsrede eingehender erläutert.

Diese intuitive Herangehensweise entspricht der klassisch künstlerischen, gewissermaßen radikal planlosen Vorgehensweise bspw. des abstrakten Expressionismus, aber im Grunde der Kunst überhaupt.

Die Intuition halte ich deshalb so hoch, weil es nur die Intuition ist, die uns Zugang zu unserer Wahrhaftigkeit gewährt. Dabei ist von äußerster Wichtigkeit, ob es uns gelingt, die direkte Wahrnehmung unserer Intuition von den vielfältigen Interpretationen unserer Gedanken zu unterscheiden.

Ist es uns möglich, unsere Intuition direkt und unverstellt wahrzunehmen, d.h. ohne Wünsche, Ängste oder andere Konzepte, und ihr vorbehaltlos zu folgen, so führt uns unsere Intuition in die Wahrhaftigkeit, in der wir eine dienende Haltung eingenommen haben.

Ist hingegen unsere Wahrnehmung verstellt durch Konzepte, Wünsche oder Ängste, so verwechseln wir in der Regel unsere mehr oder weniger hysterischen Phantasien all zu schnell mit besagter Intuition.

Ergebnis einer solchen – ich nenne es mal „projektionsgeleiteten“ – Haltung sind bestenfalls interessante, aber austauschbare Werke, Positionen oder Konzepte. Der aktuelle Kunstmarkt ist voll davon – voll von Kunst die nicht berührt, da der Künstler nicht einer inneren, dem Kunstwerk selber innewohnenden Notwendigkeit gefolgt ist.

Der Künstler hat sich dargestellt und sich nicht gezeigt – er hat sich gerade deshalb versteckt, da er nicht in der Lage war dem Werk zu dienen.

Dies ist in mehrfacher Hinsicht tragisch. Zum einen entsteht „Kunst“, die nicht nachhaltig befriedigen kann.

Zum anderen unterscheidet sich der Künstler kaum noch vom Broker,

und zum dritten ist die unausgesprochene Absicht der Postmoderne – nämlich die Abschaffung des „Streben nach dem Höheren“ – ad absurdum geführt worden.

Hier gilt es sehr genau zu differenzieren: Das „Streben nach Höherem“ ist nicht gleichzusetzen mit Wahrhaftigkeit.

In der Moderne wurde Wahrhaftigkeit mit dem „Streben nach Höherem“ identifiziert.

Deshalb wurde die Postmoderne das „Streben nach Höherem“ nur los, indem die Existenz der Wahrhaftigkeit geleugnet wurde.

Einem Künstler aber, dem Wahrhaftigkeit nicht zur Verfügung steht, bleibt nur die möglichst geschickte Vermarktung seiner Selbstdarstellung.

Aber was bleibt von der Wahrhaftigkeit, wenn einem das Streben nach Höherem, also die Hierarchie im Allgemeinen nicht mehr zur Verfügung steht?

Mein Eindruck ist, wenn wir das „Streben nach Höherem“, also den Schutz des Stolzes ablegen,

dann bleibt nur die notwendige Handlung, die dem Augenblick entspringt, wenn wir uns als Künstler dem Werk und als Mensch dem Leben in Demut unterordnen.

Irene Fastner aus München und Herbert Mondry hier aus Berlin – zwei Künstler, wie es unterschiedlicher kaum geht.

Aber beide gehen aufrecht durchs Leben, gerade weil Ehrlichkeit und Demut ihre Haltung charakterisieren. Und dies lässt sich in beiden Werken kraftvoll erleben.

Und genau hierzu lade ich Euch jetzt ein,

Vielen Dank

 

Herbert Mondry

Mich fesselt der Körper als archaische Architektur.
Die Formen werden aus der Symmetrie des Körpers
heraus entwickelt.
Manchmal stelle ich die Figuren zu einander in eine
Beziehung durch Reihung. Ich folge dem zeitlichen
Ablauf der Aufnahmen.
Der Ausdruck ergibt sich aus der Form und
der Faszination des Geschlechts.

Herbert Mondry, Berlin 2010

 

Irene Fastner

Meine Frauen: Sie sind Alter Egos und Selbstporträts.
Sie entspringen meinen Befindlichkeiten,
meinen Wunschvorstellungen und meinen Beobachtungen.
Mutig, selbstbewusst, traurig und lustig, manchmal
einsam und arm, aber meist sich selbst genügend,
gehen sie durchs Leben.
Sie werden oft von Tieren begleitet, weil,
wie die Malerin Maria Lassnig schreibt:
„Ein Mensch und ein Tier ergeben zusammen eine Mythologie“

Irene Fastner, München 2010

 

Panorama-Ansichten:

Linke Maustaste gedrückt halten und die Panoramadarstellung bewegen

 

Das Erfahren von Intensität und Tiefe scheint mir in erster Linie davon abhängig zu sein, ob der Künstler dem Werk dient oder umgekehrt.

Ordnet der Künstler sich der inneren Notwendigkeit des Werkes unter, so führt dieses seine Betrachter fortan in eine wahrhaftige Erfahrung. Muss das Werk sich dem Künstler unterordnen, so bringt es jenes Epigonentum hervor, dessen Beliebigkeit derzeit den Markt dominiert.

Ein guter Künstler kann nicht tun und lassen, was er will. Er muss frei sein, den Notwendigkeiten, die ihm sein Werk auferlegt zu folgen. Und damit er dies tun kann, muss die Gesellschaft Rahmenbedingungen schaffen. Das ist gemeint mit der Freiheit der Kunst.

Romen Banerjee, Berlin, April 2010

 

Einladung Prozess No 5 PDF

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