PROZESS No 4

PROZESS No 4

Werke von Johanna Staniczek, Taewoo Kang und Martina Pape

Ausstellungsdauer: 24. Februar 2010 bis 19. März 2010

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Romen Banerjee zur Eröffnung von PROZESS No 4 am 20. Februar 2010

 

Meine lieben Freunde,

willkommen zu unserer Ausstellung Prozess Nr. 4.

Diese Ausstellungen kommen immer so zustande, dass im Laufe der Zeit bei mir ein inneres Bild entsteht. Erst mehr als Gefühl oder Eindruck – noch recht unkonkret. Dann taucht meist eine Werkgruppe eines bestimmten Künstlers auf und ich versuche dann den Kern der Arbeit, sein Wesen zu erfassen. Und erst wenn ich mir die Werke anderer Künstler dazu vorstelle, sehe ich vor meinem inneren Auge, ob dieser Wesenskern verstärkt wird, oder aber verwässert.

In der Regel kann ich zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt nicht richtig benennen, was das ist, das mich da berührt. Erst wenn von allen Künstlern die Arbeiten ausgewählt sind, ist für mich dann langsam erkennbar, was das ganz Eigene jeder Position und was das Verbindende, also sozusagen die These der Ausstellung ist.

Das Spannende an diesem Prozess ist, dass er sich nicht beschleunigen lässt. Wenn ich quasi mit Gewalt, also unter Druck versuche ein Konzept zu formulieren, wird alles sehr kopfig und wirkt ausgedacht. Dann ist die Gefahr groß, dass andere Aspekte, wie geschicktes Netzwerken oder „namedropping“, oder irgendwelche Kriterien an die Stelle der Intuition treten. Und mein Eindruck ist, das sieht man dann einer Ausstellung sehr deutlich an. Die Ausstellung verliert dann an Tiefe und Dichte – und das ist es aber, was uns als Betrachter letztendlich erreicht und berührt, bewegt und – uns wachsen lässt.

Ich habe jetzt diesen Vorgang so ausführlich dargestellt, weil dieser exemplarisch ist, für den schöpferischen Akt.

Die drei hier gezeigten Künstler zeichnen sich ebenfalls durch vorrangig intuitive Vorgehensweise aus. Zuerst ist da ein mehr oder weniger unbestimmtes Gefühl. Mit diesem Fokus wird das Außen wahrgenommen bis eine deutliche Resonanz spürbar ist. Und in dieser Resonanz geht der Künstler dann auf und malt etwas, das ihn dann in der Regel selber erstaunt. In dieser Resonanz, die man auch Intuition nennen kann, löst sich der Künstler im Akt der Schöpfung auf, so dass die Außenwelt als Innenwelt sich zu erkennen geben kann und gleichzeitig hinterlässt diese Innenwelt eine Spur: das Bild.

Dieses Bild hat dann Tiefe, das bedeutet, es berührt uns dann auch tief – eben nicht an der Oberfläche an der sich die Gedanken aufhalten. Tiefe aber ist es, was uns als Betrachter berührt und – das ist das Entscheidende – uns wachsen lässt. Und Wachsen ist nichts anderes als ein Wachsen des Bewusstseins.

Worauf ich hinaus will ist der Zusammenhang zwischen Bewusstwerdung und Materialisierung – genauer gesagt der Materialisierung der Intuition.

Ich denke, jeder kennt das Phänomen mehr oder weniger:
Erkenntnisse, die nicht in die Handlung führen, sind Strohfeuer und lassen uns da wo wir sind.

Wollen wir wachsen, also echte Bewusstwerdung erfahren, so müssen wir uns als Menschen unserer Intuition zur Verfügung stellen und ohne Netz und doppelten Boden uns überraschen lassen von dem, was das Leben für uns bereit hält.

In dieser Haltung sind die Arbeiten der Künstler Johanna Staniczek, Martina Pape und Taewoo Kang entstanden, und als Aufforderung oder zumindest Ermutigung an uns als Betrachter, sich unserer Intuition deutlicher und umfassender hinzugeben als bisher, habe ich diese Ausstellung hier zusammengetragen.

Vielen Dank, habt noch eine gute Zeit …

Romen Banerjee

 

In welchem Verhältnis die Innenwelt zur Außenwelt steht, ist eine der drängendsten Fragen unserer Zeit.

Wenn Bewusstwerdung sowohl Ziel als auch Ursache des evolutionären Sogs ist, und gleichzeitig die Abgetrenntheit von Subjekt und Objekt eine eingebildete ist, also das Außen nicht etwa ein Spiegel des Innen ist oder umgekehrt, sondern Innen und Außen in jedem Augenblick identisch sind, so ist Bewusstwerdung ein schöpferischer Akt im künstlerischen Sinne. Der Künstler nimmt bar jeder Absicht und Bewertung seine Intuition wahr und materialisiert.

Romen Banerjee, Berlin, 2010

 

Panorama-Ansichten:

Linke Maustaste gedrückt halten und die Panoramadarstellung bewegen

 

Johanna Staniczek

Gegenwärtig interessiert mich besonders die Arbeit mit traditionellen Mitteln der Malerei, dies betrifft sowohl die maltechnische Weise des Bildaufbaus als auch die Auswahl bestimmter Motive.

Momentaufnahmen, Naturbeobachtungen und Sinneseindrücke, wie z.B. durch Wahrnehmung der angelegten Sichtachsen im Park Sanssouci, können dabei als Anlass dienen.

In der Bilderserie der Tafeln, auf denen Neuschnee auf Zweigen zu sehen ist, wird das Festhalten eines Augenblicks durch die Verbindung grafischer und malerischer Elemente erreicht. Die Darstellung gerät durch die gewollte Betonung reduzierter Hell-Dunkel-Strukturen in die Nähe des Abstrakten Expressionismus.

Johanna Staniczek

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Taewoo Kang

Kürzlich ist mir wieder bewusst geworden, dass es sich doch um Licht handeln könnte, in meiner Malerei.

Von Motiven und Anlässen, ein Bild anzufangen, abgesehen. Und auch fern von dem Gedanken der Demokratisierung der Malerei durch die „Moderne“. Das ist etwas länger her.

Meine Perspektive ist eine alltägliche aus meiner Augenhöhe und meinem Augenwinkel gesehen.

Taewoo Kang

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Martina Pape

Ich möchte auf der Leinwand eine Weite schaffen,
auf der man sich ausruhen kann,
wo Platz ist für den Schlaf eines Wolfes,
den Augenblick eines Kindes,
den Wind in den Ähren eines der letzten Äcker
in meiner Umgebung.
Ich kämpfe um die Stille des Schnees,
und suche die Farben des Seins.

Martina Pape

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Prozess No 4 Einladung PDF

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