PROZESS No 2

PROZESS No 2

Reflexionen des Todes

7. November 2009 bis 29. November 2009

Werke von Dietgard Banerjee, Heike Ruschmeyer und Frank Tangermann

 

Linke Maustaste gedrückt halten und die Panoramadarstellung bewegen

 

Im existentiellen Allein-Sein angesichts des Todes liegt die Kraft und Ruhe, die uns ermöglicht, das zu tun, was wir tun – ungeachtet dessen, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht.

Stephen Jardin bezeichnet den mystischen Tod, der im Volksmund oftmals als Erleuchtung oder Aufwachen bezeichnet wird, als ein Nicht-Ereignis. In diesem Nicht-Ereignis erlischt die Identifikation mit dem Körper-Geist-Mechanismus und die Welt wird in Folge als substanzlos und damit letztlich nicht-existent erkannt. Insofern ist der physische Tod eine Reflexion des mystischen Todes, dessen wir uns angesichts des physischen Todes bewusst werden.

In PROZESS No 2 zeigen wir meditative Objekte und Malerei des 1968 geborenen Künstlers Frank Tangermann gemeinsam mit frühen Arbeiten der 1956 geborenen Malerin Heike Ruschmeyer und emaillierten Bildern aus den Anfangsjahren der im vergangenen Jahr im Alter von 70 viel zu zeitig verstorbenen Künstlerin Dietgard Banerjee.

Romen Banerjee, Berlin, Oktober 2009

 

2. Eröffnungsrede

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Liebe Freunde,

das hier ist nun die zweite Ausstellung der PROZESSGALERIE und ich freue mich sehr, dass wir hier alle wieder zusammengekommen sind.

Ich habe mir mit der PROZESSGALERIE zum Ziel gesetzt, bei uns Künstlern – übrigens nicht nur der Bildenden Kunst – den Blick zu schärfen für die Fragen, unter denen wir einst angetreten sind. Was hat uns seinerzeit zur Kunst gebracht, bevor das kreative Schaffen zu einem Beruf wurde, ja bevor der Pragmatismus des Alltags unsere (beizeiten sogar gesamte) Aufmerksamkeit einforderte.

Natürlich gab es auch Träume von Ruhm, Ehre und Reichtum und so weiter. Bei allen Variationen jedoch scheint mir die Suche nach Wahrheit, das Streben nach innerer Tiefe immer wieder ein verbindendes Element der meisten Künstler jener fast noch jugendlichen Jahre zu sein.

Dennoch: es sind wenige Künstler, denen es möglich war, sich diesem inneren Sog der Wahrhaftigkeit anzuvertrauen, bereit zu sein, oft massive Nachteile im sogenannten Kunstmarkt aber auch dem privaten Leben in Kauf zu nehmen um sich nicht verbiegen zu müssen.

Eben diesen Künstlern möchte ich meine Arbeit mit der PROZESSGALERIE widmen – und hier sind drei von ihnen aktuell zu sehen. Als erstes möchte ich Ihnen die Künstlerin Dietgard Banerjee vorstellen, meine Mutter. Sie verstarb überraschend mit 70 im vergangenen Jahr. Eigentlich heutzutage ja kein hohes Alter.

Für mich waren diese Tage und Wochen nach ihrem Tod mit einem inneren Wachstum verbunden, dadurch, dass ich durch den Tod meiner Mutter sehr heftig auf mich selber zurückgeworfen wurde.

Die Erfahrung des existentiellen Alleinseins, zu dem ich in diesen Tagen gezwungen wurde, durch das Aufrücken in die erste Reihe, sozusagen, dieses Alleinsein also offenbarte sich mir bei allem Schmerz und Angst als kraftvolle und klare Ruhe. Und genau diese Kraft und Ruhe, dieser innere Frieden, den wir angesichts des Todes erfahren können ist es, den Frank Tangermann in seiner Arbeit aufzeigt.

Also diesen „Frieden erfahren angesichts des Todes“ meint folgendes: es ist nicht automatisch, dass wir, wenn wir dem physischen, dem körperlichen Tod begegnen inneren Frieden erfahren. Vielmehr ist es der sogenannte mystische Tod – im allgemeinen auch als Aufwachen oder Erleuchtung, machmal auch als Selbsterkenntnis bezeichnet – der mit innerer Klarheit und Stille einhergeht. Dieser Tod des Egos, wie es auch heißt, ist eine vollständige Kapitulation des Denkens. Ein Ende des Haderns und der inneren Kämpfe. Direktes klares Hinschauen bei gleichzeitigem „Ja, so ist es“, dies bedeutet Frieden und Kraft.

Heike Ruschmeyer zeigt eine andere nicht minder spirituelle Sicht auf den Tod des „ichhaften“ Denkens.

Wenn wir uns nicht von der oberflächlichen Geschichte mit den vielen verschiedenen anekdotenhaften Phantasien unsere Gedankenapparates verführen lassen, sondern wenn wir uns der Unentrinnbarkeit des Todes, auch des Alleinseins in der Welt bewusst werden, so tritt unser „ichhaftes“ Denken in den Hintergrund und wir können die Toten als beseelt erfahren.

Warum mich diese Ausstellung so berührt ist Folgendes: Ich finde in dieser Ausstellung ist der Zusammenhang zwischen mystischem und physischem Tod zu erahnen.

Frank Tangermann hat über Jahrzehnte intensivste Meditationspraxis. Seine Erfahrungen mit dem mystischen Tod materialisiert er in seinen Arbeiten.

Heike Ruschmeyer stellt sich in den Dienst der Toten, indem sie sich der inneren Notwendigkeit des Bildes zur Verfügung stellt – also nicht ihren „ichhaften“ Mustern folgt. Durch diese Haltung des „Sich-zur-Verfügung-stellens“ tritt das „Ich“ in den Hintergrund und Schöpfung wird sichtbar, ja erst möglich.

Ich habe die Ausstellung REFLEXIONEN DES TODES genannt, da mein Eindruck folgender ist: nicht der physische Tod scheint das Ende zu sein.

Vielmehr scheint das Ende des „ichhaften“ Denkens, also der mystische Tod, die Welt als substanzlos und damit letztlich nicht existent, erscheinen. Und damit wird der physische Tod ebenfalls substanzlos. Der physische Tod wird also zu einer Reflexion. Zu einer Reflexion des mystischen Todes. Und angesichts dieser Reflexion, die wir den (physischen) Tod nennen, können wir uns des mystischen Todes bewusst werden.

Und all unsere Ängste, die wir in Bezug auf den Tod haben, haben wir genau genommen nicht hinsichtlich des Todes des Körpers. Unsere Ängste gelten im Innersten dem Tod des Geistes.

Also sowohl für die Arbeiten meiner verstorbenen Mutter, also auch für die Arbeiten Frank Tangermanns als auch für die Arbeiten Heike Ruschmeyers möchte ich Euch ans Herz legen:

Folgt nicht den Gedanken, gebt jede innere Distanz auf und was immer dann auftaucht, vertraut Euch dem an. Werft dieses doppelte Tabu – also den Tod einerseits und die Erleuchtung andererseits – über Bord.

Ich für meinen Teil habe gelernt: Wenn beides in meinem Leben Platz hat, wann immer es sich zeigt, dann stehe ich mehr im Leben, mehr in diesem Augenblick. Mit dieser Haltung habe ich diese Ausstellung zusammengestellt – mit dieser Haltung könnt Ihr diese Ausstellung in Euch aufnehmen.

Also dann mal los

Romen Banerjee, Berlin, 7. November 2009

 

Heike Ruschmeyer

 

Frank Tangermann


=> zum Profil von Frank Tangermann

 

Dietgard Banerjee

 

Einladung

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