PROZESS No 13

 

Werke von Betty Stürmer, Bob Rutman und Detlef Günther

ERÖFFNUNG: 12 – 16 Uhr am 17. September 2011

DAUER: 21. September bis 7. Oktober 2011

 

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Romen Banerjee zur Eröffnung von PROZESS No 13 am 17. September 2011

13. Eröffnungsrede

Liebe Freunde,

vielen Dank, dass ihr hier zu unserer 13. Ausstellung der Prozessgalerie gekommen seid.

Ich möchte Euch diesmal einige Erfahrungen mitteilen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe. Genauer gesagt handelt es sich um die letzten 25 Jahre, in denen mir bei Künstlern aber auch vielen anderen Menschen immer wieder der Wunsch nach Erfolg begegnet.

Hier meine ich vor allem den allgemeinen Wunsch nach Anerkennung und finanziellem Erfolg, aber auch den bei Künstlern oft besonders ausgeprägten Wunsch etwas Bedeutendes, Bleibendes geschaffen zu haben – und sei es auch nur für den Künstler selber. Und wie wir ja nun alle nach einem halben Leben wissen können, scheint es nie genug zu sein mit der Anerkennung. Und das Geld könnte auch immer mehr sein. Nun ja, und um die Wichtigkeit eines Werkes scheint es noch schlimmer gestellt zu sein. Diese scheint heute so und morgen so zu sein – also alles andere als bleibend.

Wenn wir uns nun die innere Logik eines Wunsches anschauen, stellen wir fest, dass wir bei einem Wunsch immer davon ausgehen, dass wir das, was wir uns wünschen, nicht zu haben glauben. Wenn wir einen Wunsch haben, sind wir also in einem Zustand des Mangels – insbesondere, da wir von der Existenz dieses Mangels überzeugt sind.

Dieser Glaube an den Mangel ist sehr stabil, da er identitätsstiftend ist. Also, wenn ich mir Anerkennung wünsche, gehe ich davon aus, dass ich nicht genügend Anerkennung habe. Wenn ich mir Geld wünsche, gehe ich davon aus, dass ich nicht genügend Geld habe. Wenn ich mir wünsche, etwas Bedeutendes und Bleibendes zu schaffen, gehe ich davon aus, dass ich nicht etwas genügend Bedeutendes und Bleibendes schaffe. Mit diesem Mangel bin ich identifiziert – und sich von diesem Mangel fortzulaufen, wäre, als wolle ich vor mir selber fortlaufen.

Der spannende Selbstversuch nun wäre folgender:
Was geschieht, wenn ich nicht mehr vom Mangel fortlaufe und meinem Wunsch folge. Was geschieht, wenn ich diesen Mangel bei mir erstens sehe und zweitens akzeptiere.

Ich schau den vermeintlichen Tatsachen ins Gesicht und sehe und akzeptiere, dass ich „keine“ Anerkennung bekomme. Ich sehe und akzeptiere, dass ich „kein“ Geld verdiene. Ich sehe und akzeptiere, dass ich „keine“ bedeutenden und bleibenden Werke schaffe. Kurzum, ich sehe und akzeptiere meine Erfolgs- und Bedeutungslosigkeit. Wer dies ernsthaft und radikal an sich erprobt, der wird eine tiefe Erleichterung und innere Freiheit – man könnte sagen eine Fülle – erleben. Allerdings ist solch eine Erkenntnis, so tief diese auch sein mag, in der Regel nur ein Strohfeuer. Die alten identitätsstiftenden Mangelstruckturen kehren mit gewohnter Heftigkeit oder stärker zurück. Das Gefühl der Bedürftigkeit ist oft stärker als zuvor.

Nach meiner Erfahrung liegt der Grund darin, dass ein identitätsstiftender Mangel, der wie wir gesehen haben einhergeht mit einem Wunsch des „Nehmen-Wollens“ – wie ich jetzt mal unsere Wünsche nach Erfolg zusammenfassen möchte – sich erst dann dauerhaft verabschieden kann, wenn die Erfahrung der Fülle auch in der Haltung seine Form und im Verhalten seinen Ausdruck findet. So kann dann die Erfahrung des Mangels dauerhaft in die Erfahrung der Fülle übergehen, wenn gleichzeitig auf der Ebene der Haltung der Wunsch des „Nehmen-Wollens“ zu einem Wunsch des „Geben-Wollens“ wird, welcher sich gleichzeitig dann im Verhalten ausdrücken wird.

Ich möchte hier nochmal darauf hinweisen, wie wichtig es ist, die Fülle aus dem Mangel heraus zu entfalten. Versucht man die Abkürzung zu nehmen und direkt in die Fülle und das „Geben-Wollen“ zu gelangen, so verdrängt man den Mangel in das Unbewusste und wir büßen dabei unsere Lebendigkeit und Intuition ein. So würde also aus unserem Wunsch nach der Schaffung eines bedeutsamen Kunstwerkes zunächst die Offenlegung und Akzeptanz eines fatalen Scheiterns werden.

Die damit einhergehende Fülle beispielsweise in der Form einer tiefen Erleichterung, macht aus der Bedürftigkeit des „Haben-Wollens“ das Bedürfnis des „Geben-Wollens“, aus dem identitätsstiftenden Wunsch nach Bedeutung, das Bedürfnis nach innerer Zentrierung und Bedeutungslosigkeit der eigenen Person. Gleichzeitig ist man frei, direkt und spontan sozusagen in einem kindlich-staunendem Modus – unter Verzicht auf konstruktive Kritik, überschwängliches Lob oder ähnliche Mittel der inneren Distanzierung – Bedeutungen und Leistungen unserer Mitmenschen zu würdigen.

Diese hier beschriebene Haltung entspricht der ureigensten Natur des Menschen. Dieser Urzustand jenseits der Ichhaftigkeit des menschlichen Denkens ist ein Zustand der Fülle und Lebendigkeit und blitzt auch immer wieder – sozusagen aus Versehen – durch die Risse und Lücken unseres Gedankenstromes. In der Kunst lassen sich manchmal jene Risse, durch die unsere Lebendigkeit ungebremst hervorquillt einfangen.

Ich finde in dieser Ausstellung ist es gelungen bei aller doch erheblichen Unterschiedlichkeit der Künstler und ihrer Werke, eben jenen Aspekt von Lebendigkeit und Leichtigkeit der Fülle herauszuarbeiten.

Ich möchte hier meinem langjährigen Freund – also wir kennen uns wirklich schon aus den Anfängen des Kunststudiums – Detlef Günther meinen Dank dafür aussprechen, dass er bereit war, hier für diese Ausstellung seineArbeiten zur Verfügung zu stellen.

Auch Betty Stürmer und ich kennen uns bereits aus den frühen 90er Jahren. Vielen Dank auch Dir Betty, dass Du Dich für diese Ausstellung so engagiert hast.

Und der dritte im Bunde, beinahe schon eine Ikone der Szene ist Bob Rutman. Bob wird uns auf seinem Styrophon jetzt ein Stück vorspielen. Also da freu ich mich schon sehr …

Nun, vielen Dank Euch allen … Bob leg los …

 

Panorama-Ansichten

Linke Maustaste gedrückt halten und die Panoramadarstellung bewegen

 

 


Flucht, Abkehr, Atempause von der „Welt“, dem Zeitgeschehen, verbunden mit Lichtbeobachtung kennzeichnen den Arbeitsprozess. Das Wolkentagebuch ist eine intensive malerische Meditation über das Amorphe, Formlose und Zerfließende Sujet der Wolke.

Betty Stürmer, Berlin, 2011

 


Meine Bilder bringen Geschichte und Gegenwart als Einheit zur Wirkung. …
Der moderne Mensch ist eine Erfindung.
Er kann sich neu erfinden.

Detlef Günther, Berlin, 2011

 

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Hi romen, i will play on my newest instrument a piece `genze haut musik´on the `stryophone´
i will also show some of my art work i look forward to meeting at the show, you all.

Bob Rutman, Berlin, 2011

 

Download Prozess No 13 Einladung

Was immer ich erlebe – ich will es zu ganzer Fülle.

Fülle nun entblättert sich auf ungewohnte Weise,
denn sie ist tief verborgen in der Unbewußtheit
der Identifikation mit einem strukturellen Mangel.

Bin ich als Künstler also in der Lage meinen tief
verborgenen Wunsch nach Sicherheit, aufzuhegen
– und sei dieser seiner Natur nach finanziell, emotional
oder physisch – so schaffe ich mir mit diesem Schauen
auf meinen Mangel eine Grundlage.

Eine Grundlage nämlich, die mir ermöglicht,
das Hingehen zum Nehmen zu lassen und bei meiner
ursprünglichen Natur, dem Geben zu bleiben.
So ist dies vom Mangel zur Fülle
im Grunde ausschließlich ein Lassen des Mangels.

Mit der Bereitschaft, aus dem Kontakt mit dem Mangel
heraus den Wunsch nach Geben von Sicherheit
zur Entfaltung zu bringen, offenbart sich Mangel als Fülle
– fällt Freiheit in Sicherheit.

So zeigt sich Freiheit auch in der Kunst, sofern sie ein
inneres Geben existenzieller Sicherheit ist, als wahrhaft
voll und lebendig.

Romen Banerjee, 2011

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