PROZESS No 12

 

Werke von Stefan Hoenerloh, Eva Laufer und Cornelius Perino

ERÖFFNUNG: 12 -16 Uhr am 18. Juni 2011

DAUER: 18. Juni bis 1. Juli 2011

 

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Romen Banerjee zur Eröffnung von PROZESS No 12 am 18. Juni 2011

12. Eröffnungsrede

Liebe Freunde,

vielen Dank, dass ihr hier zu unserer 12. Ausstellung der Prozessgalerie gekommen seid.

Bei früheren Ausstellungen habe ich bereits ausführlich dargelegt, dass die Kraft, die einem Kunstwerk innewohnt unmittelbar einer wahrhaftigen Haltung des Künstlers im Schaffensprozess entspringt. Dabei ist es wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, dass eine wahrhaftige Haltung im Moment des Schaffens nicht unbedingt bedeutet, dass der Künstler auch ansonsten in seinem Lebensalltag wahrhaftig ist oder danach strebt.

Das allgemeine Lebensgefühl kann durchweg ein hohes Maß an Getriebenheit ausdrücken, jedoch bei der Arbeit am Werk kann der Künstler dann über eine rauschhafte Phase in jenen Ich-losen Zustand geraten, der ihm dazu befähigt, in jenem Augenblick einzig und allein der inneren Notwendigkeit des Werkes zu dienen. So gibt es sogar Werke, die beliebig oft in gleichbleibender Intensität hergestellt werden.

Auch wenn wir uns hier bereits nahe am Handwerk befinden, diese Haltung des Dienens ist in den Arbeiten dann als Kraft erfahrbar. Oft scheint mir jene Kraft in den Arbeiten sogar beeindruckender, je besessener, getriebener oder vielleicht sogar verrückter die Persönlichkeit des Künstlers erscheint.

Ich für meinen Teil habe herausgefunden, dass jene Kunst, die mich beeindruckt mich aber nicht unbedingt berühren muss. Damit eine Arbeit mich berührt, benötige ich über das Beeindruckende hinaus jenen Moment, indem der Künstler sich ohne Maske in seiner ganzen Zerbrechlichkeit zeigt.

Die Intimität, die auf jede Professionalität und Legitimation verzichtet erfordert Mut, einen Mut nämlich, einen Weg zu beschreiten, auf dem das Leben sich nicht weiter an der Kunst orientiert.

Wenn die Kunst dem Leben des Alltags dient, wird sie ihrer Notwendigkeit beraubt. Entsteht sie dennoch, so ist sie intim und berührend, geht über den Punkt des Beeindruckens weit hinaus und ist damit kraftvoller als alles, was professionell möglich ist.

Zusammenfassend möchte ich sagen:

Ein Künstler, der diese eben beschriebene Tiefe in seiner Kunst erreichen möchte, ist dazu verdammt, all seine Professionalität und seinen Legitimationsdruck den dieser Beruf mit sich bringt, abzustreifen, und gegebenenfalls in der gesellschaftlichen Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Anders herum ist ein Künstler der Intimität meidet und den Erfordernissen von Professionalität und Legitimation Raum gibt zu endlosen Wiederholungen verdammt.

Man kann wohl ohne Übertreibung sagen, je erfolgreicher ein Künstler ist, desto weniger Künstler ist er, da er immer weniger intim ist. Und andererseits: Je intimer und berührender ein Künstler ist, desto weniger Künstler ist er, da er auf die Erfordernisse der Professionalität und des Legitimationsdruckes pfeift und keine gesellschaftliche Beachtung mehr findet.

Jeder Künstler steckt in diesem Dilemma. Auch die hier heute ausgestellten Künstler können davon ein Lied singen. Ich möchte sie euch jetzt kurz vorstellen:

Den Maler Stefan Hoenerloh und den Feuerkünstler Cornelius Perino. Wir haben schon in den 80er Jahren gemeinsam ausgestellt. Und ich freue mich sehr, hier meine alten Freunde für diese Ausstellung bekommen zu haben.

Die dritte im Bunde, die Malerin Eva Laufer kenne ich beinahe ebenso lange, wobei wir uns eigentlich eher im kulturpolitischen Kontext des Mauerfalls kennengelernt haben und auch heute noch gemeinsam für den Berufsverband Bildender Künstler Berlin kulturpolitische Gremienarbeit machen. Liebe Eva, auch dir möchte ich danken, dass du dich bereiterklärt hast an dieser Ausstellung teilzunehmen.

So, und jetzt haben wir etwas ganz besonders – ich sag jetzt mal – Beeindruckendes für euch. In wiefern es intim und berührend ist, wird jetzt dann jeder selber erfahren:

Cornelius wird jetzt seine Sprengkästen zünden.

… Vielen Dank, Cornelius bitte, …

 

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Durch Farbexplosionen und Schmauchspuren
abbrennender pyrotechnischer Körper,
die auf der Bildfläche montiert sind, entsteht ein
Kunstwerk. Der Urknall als schöpferischer Akt.

Cornelius Perino, Berlin, 2011

 

Malerei ist für mich die Möglichkeit,
dem Flüchtigen Raum zu geben –
Metall die Sehnsucht nach dem Bestimmbaren.

Eva Laufer, Berlin, 2011

 

Ein Wachstumsbeschleunigungsprogramm
ist genau das, was wir nicht brauchen,
es beschleunigt den Zerfall der Welt.

Stefan Hoenerloh, Berlin, 2011

 

Download Prozess No 12 Einladung PDF

 

Erkenntnis, die keinen direkten Ausdruck in der Handlung erfährt, verliert an Kraft.

Wie sich der Künstler der unmittelbaren Eingebung verpflichtet und sein Werk so wahrhaftiger Haltung entspringt, erfahren wir in unserem Alltag Situationen, die uns zivilcouragierte Handlungen abverlangen.

Die Freiheit liegt nicht in der Möglichkeit sich zu entscheiden, sondern in der Möglichkeit, die Verbindlichkeit die uns unsere Erkenntnis abverlangt, einzugehen.

So wie es in der Malerei nicht möglich ist, ein in diesem Sinne kraftvolles Bild zu wiederholen, so ist auch eine jede Handlung an ihre Situation der Erkenntnis gebunden und kann nicht mit gleicher Kraft wiederholt oder nachgeholt werden.

Schlimmer noch: jenes Zaudern verdammt uns zur Wiederholung und beraubt uns der Freiheit und Lebendigkeit.

Romen Banerjee, Berlin, 2011

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